Wenn das Gebet wirklich aus dem Herzen kommen soll, muss der Geist wach sein und sich zur tiefsten Andacht sammeln.
Wenn wir aber dastehen und beten, geliebteste Brüder, so müssen wir wachsam und mit ganzem Herzen auf das Gebet bedacht sein. Jeder fleischliche und weltliche Gedanke sei dann ferne, und der Geist denke an nichts als allein an das, um was er betet!
Und doch soll der Christ selbst dann, wenn er mit den Augen schläft, mit dem Herzen wachen, wie geschrieben steht im Hohen Liede, wo die Kirche von sich sagt: „Ich schlafe und mein Herz wacht" . Deshalb mahnt uns der Apostel mit eindringlicher Vorsicht und sagt: „Oblieget dem Gebete und wachet darin" , indem er offenbar lehren und zeigen will, dass nur solche die Erfüllung ihrer Wünsche von Gott erlangen können, die Gott im Gebete wachen sieht.
Gleich wie der heilige Martin
Guter Gott, lieber Vater im Himmel! Öffne unsere Augen, daß wir sehen, wenn einer in Not ist.
Öffne unsere Ohren, daß wir hören, wenn einer unsere Hilfe braucht.
Öffne unsere Herzen, daß fremde Not uns nicht gleichgültig läßt.
Öffne unsere Hände, daß wir denen geben, die es nicht so gut haben wie wir.
Öffne unseren Mund, daß wir denen Mut zusprechen, die ängstlich oder traurig sind.
Lenke unsere Füße, dass wir mit denen gehen, die allein sind und den Weg nicht kennen.
Du bist uns nahe in deinem Sohn. Er sei unsere Hilfe bei diesen vielen kleinen Schritten, er, der mit dir lebt und herrscht in Ewigkeit. Amen.
In: Martinsheft in der Gemeinde Bonifatiuswerk